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Rudolf Wagner-Régeny - Die Bürger Von Calais, Johanna Balk

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Rudolf Wagner-Régeny - Die Bürger Von Calais, Johanna Balk

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Rudolf Wagner-Regeny (1903-1969)
Die Bürger von Calais    (Ausschnitte)
Text: Caspar Nehar

Seite 1:
Fliehet! Fliehet die Verderben bringende Kugel
Chor, Philomene (1. Akt)

Wohin führt der Weg?
Cornelia, Peter (1. Akt)

Klaget, Ihr Männer
Chor, Cornelia, Gouverneur (1. Akt)

Ilove him
Frauenchor, Josef, Cornelia (2. Akt)

Dort liegt der Teppich
Cornelia (2. Akt)

Angenehm, leicht, jung und sorglos
Frauenchor, Königin, Cornelia (2. Akt)

Johann von Wien, Gouverneur - Wolfgang Hellmich, Baßbariton
Cornelia, seine Frau - Elisabeth Breul, Sopran
Peter von Wissant - Dieter Weimann, Tenor
Philomene  - Ute Mai, Sopran
Die englische Königin - Renate Krahmer, Sopran
Josef - Paul-Dorf Neis, Sprecher

Rundfunkchor Leipzig
Choreinstudierung: Horst Neumann
Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig
Dirigent: Herbert Kegel


Johanna Balk     (Ausschnitte)
Text: Caspar Nehar
Auf dem dunklen Marktplatz von Hermannstadt
Chor, Bartholomäus (1. Akt) Fliehet, Graf Bethlen!
Männerchor, Bethlen (1. Akt)
Haltet ihn! Er zerreißt den Strick
Bartholomäus, Johannes Balk, Chor (1. Akt)
Der Fürst ist erwacht
Chor (1. Akt)
Auf einen Tag bin ich gekommen
Michael Weiss (2. Akt)
Ich weiß, daß alles Außerordentliche
Johanna Balk (3. Akt)
Orchersterzwischenspiel „Das Schicksal" (3. Akt)
An Eurem Kommen sehe ich den Willen zur Versöhnung
Báthori, Bethlen, Johanna Balk, Johannes Balk, Männerchor

Johannes Balk, Kaufmann -  Wolfgang Hellmich, Baßbariton
Johanna Balk, seine Frau - Els Bolkestein, Sopran
Gabriel Báthori, Fürst von Siebenbürgen - Eberhard Büchner, Tenor
Graf Bethlen, sein Minister - Hans-Martin Nau, Baß
Michael Weiss, Stadtrichter von Kronstadt - Thomas M, Thomaschke, Baß
Bartholomäus, ein Häscher - Hermann Christian Polster, Baß

Aufgenommen 1973 in der Bethanienkirche, Leipzig
Verlag: Universal Edition A. G, Wien
Gemeinschaftsaufnahme des Rundfunks der DDR und des VEB Deutsche Schallplatten
Gestaltung: Gerd Semder
Musikregie: Dieter-Gerhardt Worm  
Tonregie: Eckhard Schönberg          Foto: Marion Schöne


Mit den Opern .Der Günstling", „Die Bürger von Calais" und „Johanna Balk", die im vierten Lebensjahrzehnt, in der mittleren Schaffensperiode des Komponisten entstanden, erwarb Rudolf Wagner-Regeny hohes Ansehen in der internationalen Musikwelt; sie machten seinen Namen weithin bekannt. In ihnen manifestiert sich seine schöpferische Eigenart, das Profil seiner Persönlichkeit, das, was inzwischen längst musikgeschichtliche Bedeutsamkeit besitzt. Die Libretti schrieb, von Bertolt Brecht und seinen Lehrstücken  nicht unbeeinflußt,  der Maler, Bühnenbildner und Schriftsteller Caspar Neher (1897—1962), mit dem Wagner-Regeny in jahrzehntelanger Partnerschaft verbunden war. Bei alle/ Verschiedenheit der Fabeln, denen sämtlich ein historischer Stoff zugrunde liegt, ist in diesen Opern die Forderung nach Humanität, nach vorurteilsloser, freier Menschlichkeit künstlerisch gestaltet — und dies in der Zeit des Faschismus. Wagner-Regeny und Neher schufen diese Opern aus der. Einsicht, „daß alles daran zu setzen sei, um das Recht des Volkes wie des einzelnen auf Freiheit, Gesittung und Eigenständigkeit zu wahren gegen die unbelehrbare Herrschsucht und den Machtwillen hoher Stände um ihrer selbst willen". Der Komponist erwies sich dabei als legitimer Fortsetzer des von Bertolt Brecht und Kurt Weil! begründeten gesellschaftskritischen, lehrhaft-epischen Musiktheaters, sichtlich eine Synthese zwischen dramatischer und epischer Darstellungsweise erstrebend (am deutlichsten spürbar in den teils kommentierend-reflektierenden, teils dramatisch agierenden Chören). Wagner-Regenys Neher-Opern dokumentieren in ihrer gesellschaftskritischen Aussage das große ethisch-humanistische Bekenntnis des Komponisten. Ihre inhaltlichen Anliegen suchte der Künstler in durchaus realistischem Sinne durch eine Tonsprache zu verdeutlichen, die klares Formbewußtsein, kunstvoll-lineare Stimmführung, herben Klangcharakter mit innerer Monumentalität und Gespanntheit des Ausdrucks verbindet. Die Neherschen Textdichtungen haben mit ihrer Betonung der Gedanklichkeit, dem Verzicht auf psychologische Motivierung und Entwicklung, ihrer Ausprägung klarer, gegensätzlicher Typen, ihrem proklamatorisch-didaktischen Charakter und der stilisierten Sprache wesentlichen Anteil an der ganz eigenen Prägung der Werkgruppe. Weniger der Zusammenklang der Szenen ist wichtig als ihr Einzeldasein, wodurch sich ausgesprochen bildhafte Wirkungen einstellen, wie auch die vorliegenden Ausschnitte aus den Opern „Die Bürger von Calais" und „Johanna Balk" erkennen lassen.
Der in den Jahren 1936—1938 geschaffenen Oper „Die Bürger von Calais" diente die „Chronique de France" des altfranzösischen Dichters und Historikers Jean Froissart (1337
bis 1404) als wesentlichste stoffliche Quelle; darin ist jene einzigartige geschichtliche Begebenheit aus dem Jahre 1347, aus der Anfangszeit des 100jährigen Krieges zwischen England und Frankreich überliefert, die auch Anlaß für andere künstlerische Gestaltungen des Themas wurde, für die berühmte Bronzeplastik des Auguste Rodin (1884/86) und für das gleichnamige Drama des Dichters Georg Kaiser (1912/13). Die erfolgreiche Uraufführung des Wagner-Regenyschen Werkes erfolgte am 28. Januar 1939 an der Berliner Staatsoper. Die musikalische Leitung hatte Herbert von Karajan, die Bühnenbilder stammten vom Librettisten. 20 Jahre später äußerte sich der Komponist, zugleich kurz den Inhalt darlegend, folgendermaßen über die anklägerische Bedeutung seines Werkes, das angesichts des drohenden zweiten Weltkrieges geschrieben worden war: „Zu Anfang des Jahres 1939 hatte sich die giftige Finsternis über Deutschland ausgebreitet. Alles trieb der Katastrophe entgegen, die mit dem zweiten Weltkrieg eintrat. Sieben Monate, bevor der Krieg begann, führte die Staatsoper Unter den Linden jene Oper auf, deren Handlung in das 14. Jahrhundert zurückversetzt. Sechs Männer standen auf der Bühne, die in der belagerten und ausgehungerten Stadt Calais sich bereit erklärten zu sterben, wenn 6000 ihrer Mitbürger dadurch am Leben blieben. Die Frau des Gouverneurs, Cornelia, hatte einen eigenmächtigen Schritt unternommen, um die Stadt zu retten. Sie war des nachts in das feindliche Lager hinausgegangen, um bei der englischen Königin von Frau zu Frau um Gnade zu bitten. Weil sie nichts ausrichtete, verübte sie in Scham Selbstmord. Nachdem die sechs Bürger in Sack und Asche mit dem Strick um den Hals das Tor der Stadt verlassen hatten, um sich dem Henker zu überantworten, erschien ein engtischer Offizier bei der knienden Volksmenge, um zu verlesen, daß die sechs zum Tode bereiten Männer mit dem Gang zum Richtplatz und mit der Übergabe der Schlüssel der Stadt ihre Buße entrichtet hätten und nun begnadigt seien. Ich erzähle absichtlich das Bühnengeschehen zusammen mit dem Hintergrunde des Jahres der Uraufführung, um deutlich zu machen, wie eine Theateraufführung von der Zeit, in der sie stattfindet, eingerahmt und dadurch entweder bedeutungsvoll oder bedeutungslos wird. Es war nicht verwunderlich, daß dieses gegen Krieg und Belagerung, gegen Wahnsinn und Barbarentum gerichtete Stück in der Zeit angestrengter Vorbereitungen zu allen erdenklichen Kriegs-greueln sofort von den Spielplänen abgesetzt wurde. Sollten aber heute irgendwo Mächte am Werke sein, die abermals zu einer Katastrophe drängen, würden sich nicht sechs Männer opfern, um 6000 Menschen das Leben zu erhalten. Es wären auf der ganzen Welt viele Millionen bereit, die friedliche Entwicklung des Lebens zu hüten, daß ihm kein Schaden geschehe. In solchem Sinne mögen die .Bürger von Calais' ein Symbol sein." Auch über der in den Jahren 1938—1940 komponierten Partitur der „Johanna Balk" sieht ungeschrieben das „In tyrannos". So kam es denn bei der Uraufführung am 4. April 1941 an der Wiener Staatsoper, die musikalisch von Leopold Ludwig und szenisch von Oscar Fritz Schuh betreut wurde, während der Librettist Caspar Neher wiederum die Bühnenbilder geschaffen hatte, zum größten, von radikalen Elementen ausgelösten Theaterskandal in Osterreich zur Zeit der Hitler-Ära, denn die Nationalsozialisten erkannten sehr wohl die in dem Stück enthaltene Absage an das Regime. Sie verboten schließlich auch dieses Dokument geistigen Widerstandes, das eine Episode aus der Geschichte der trans-sylvanischen Heimat des Komponisten vom Anfang des 17. Jahrhunderts gestaltet. Als Hauptquelle ihrer Opernhandlung hatten die Autoren die alte „Siebenbürgische Chronik" des Schäßburger Stadtschreibers Georg Kraus d. A. (1607—1679) benutzt. Gezeigt wird, wie Fürstenwillkür durch den Freiheitswillen, den Gerechtigkeitssinn und die Opferbereitschaft des gemeinsam und einig handelnden Volkes gebrochen wird, wie das Recht über das Unrecht siegt, die Menschlichkeit über die Unmenschlichkeit. Die Hauptheldin der Oper, die Kaufmannsfrau Johanna Balk, steht fraglos in einer ideellen Verwandtschaft zur beethovenschen Leonore. Denn auch sie tritt als Befreierin ihres von Tyrannenwillkür in den Kerker geworfenen Mannes auf. Sie will ihm die Kerkertore öffnen und ihre vom Fürsten Böthori geschändete Tochter Agneta rächen. Die Sache der Johanna Balk wird zur Sache aller Hermannstädter Bürger. Johanna löst zwar die Rebellion gegen den heimtückischen Despoten aus, deren Führung jedoch übernimmt Graf Bethlen, der sich auf die Seite des unterdrückten Volkes geschlagen hat. Der aufständischen Bürgerschaft gelingt schließlich die Befreiungstat. Johanna Balk und das Land sind gerettet. Johannas Worte „Doch es zerbrach die Gewalt, der Haß eines einzigen Menschen, den Gleichlauf des Lebens von vieler", zielten deutlich auf den braunen Diktator.
Die auf unserer Schallplatte enthaltenen Ausschnitte aus den „Bürgern von Calais" stammen aus dem 1. und 2. Akt des Werkes. Stilistisch sind — bei klassizistischer Grundhaltung — Impulse aus der ganzen Musikgeschichte, vom Mittelalter bis zum Song der 20er Jahre, zu überaus persönlicher Synthese geführt. Die gemessene musikalische Haltung, ihre Reinheit und Klarheit, ihr oratorienhafter Geist ist der Strenge des historischen Stoffes gemäß. Nach
herber, choralhafter Einleitung der Holz- und Blechbläser, die in die Tragik des Stückes einführt, folgt ein lapidarer Chor, der die ratlose Situation der Bürger von Calais ausdrückt. Erschütterung und Schmerz sprechen aus dem Chor der Ratsherren „Klaget, ihr Männer", in den wirkungsvoll die Solostimmen der Cornelia und des Gouverneurs einbezogen sind. Cornelias Flucht aus der Stadt spiegelt -sich in einem lebhaften, motorischen Orchesternachspiel. Für das englische Liebeslied im Volkston „I love him", das Wäscherinnen in der Nähe des englischen Lagers singen, benutzte Wagner-Regeny einen Originaltext von Barry Cornwall (um 1190). Auf dramatische Steigerungen bedacht ist der Auftritt der englischen Königin. Ihre Auseinandersetzung mit Cornelia — der Höhepunkt der Szene — wird umrahmt von einem meist in Terzen geführten, heiteren Chor der Hofdamen. In die von Sorgen und Leid unbeschwerte Welt der jungen Königin, die durch leichtflüssige Melodik und spielerische Koloraturen gekennzeichnet wird, bricht, von starrem, pochendem Rhythmus begleitet, die gnadeheischende Cornelia ein.
Ausschnitte aller drei Akte cies Werkes bringen die Szenen aus „Johanna Balk". Ein visionärer Chor der singenden Häuser — Kommentator des Geschehens — führt balladenhaft in die Situation der Handlung ein; er entlarvt die bösen Pläne der Häscher, die den Kaufmann Johannes Balk gefangennehmen sollen. Ein marschähnlicher, brutaler Rhythmus durchpulst die spannungsgeladene Szene der Gefangennahme des Kaufmanns Balk. In der Arie „Auf einen Tag bin ich gekommen" — musikalisch dramatischer Gipfelpunkt des 2. Aktes — warnt der aufrechte Stadtrichter von Kronstadt Michael Weiß ein letztes Mal den Tyrannen Báthori und sagt ihm das Ende seiner Schreckensherrschaft voraus. Die moralisierende, seelenvolle Kavatine der Johanna Balk „Ich weiß, daß alles Außerordentliche" stellt wohl das geschlossenste Stück der gesamten Oper dar. Mit harter Klanggebärde, auf einem Basso ostinato aufgebaut, schreitet das vorwiegend von den Bläsern getragene Orchesterintermezzo „Das Schicksal" in strenger kontrapunktischer Stimmführung dahin. In der packenden Schlußszene zwischen Báthori und Johanna Balk wird das abstoßende Wesen des Tyrannen zunächst durch zynisches Pfeifen charakterisiert. Mit fast veristischer Emphase offenbart dagegen Johanna die Lauterkeit ihres Charakters. Die Verführungsszene erreicht ihren Höhepunkt, als Báthori Johanna nach den Klängen eines Walzers zu tanzen nötigt, der ungarische Csárdáselemente aufweist. Die Aufständischen zwingen schließlich Báthori, seinen Degen zu übergeben.
Dieter Hartwig (1974)

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ArtikelnummerNova 8 85 239
Preis13,95 €
InterpretVarious Artists
PlattennameRudolf Wagner-Régeny - Die Bürger Von Calais, Johanna Balk
EAN NummerNicht verfügbar
PlattenlabelAndere
PlattentypLP / Vinyl 12"
Vinylgewicht pro Schallplatte180 gramm
Anzahl der Platten1
BeilagenNicht verfügbar
Release Jahr1974
Allgemeiner PlattenzustandGebraucht
Zustand TonträgerNicht verfügbar
Zustand CoverNicht verfügbar
PlattenreinigungNicht verfügbar
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