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Fritz Geißler - Der Zerbrochene Krug

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Fritz Geißler - Der Zerbrochene Krug

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Fritz Geißler (geb. 1921)
Der zerbrochene Krug
Komische Oper in 7 Szenen nach einem Lustspiel von Heinrich von Kleist
Walter.'Gerichtsrat - Siegfried Weber, Bariton
Adam, Dorfrichter - Konrad Rupf, Baß
Licht, Schreiber - Hans-Peter Schwarzbach, Tenor
Frau Marthe Rull - Gisela Pohl, Alt
Eve, ihre Tochter - Helga Termer, Sopran
Veit Tümpel, ein Bauer - Dieter Dreßen, Baß
Ruprecht, sein Sohn - Ekkehard Wagner, Tenor
Frau Brigitte - Roswitha Trexler, Mezzosopran
Ein Bedienter - Wolfgang Flohr, Bariton
Erste Magd - Renate Rieche, Sopran
Zweite Magd - Ingrid Wandelt, Mezzosopran

Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig
Gerhard Erber, Cembalo
Dirigent: Horst Neumann

Aufnahmeleitung und Regie: Walter Zimmer
Tonregie: Günter Neubert
Aufnahme des Rundfunks der DDR
VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig

Kammermusik, Kammersinfonien, verschiedenerlei Orchestermusik und fünf große Sinfonien hatte Fritz Geißler schon geschrieben, als er mit seiner ersten Oper an die Öffentlichkeit trat. „Der zerbrochene Krug" nach Heinrich von Kleists Lustspiel war sogleich ein Bühnenerfolg. Eine Reihe Inszenierungen hat das Werk in der DDR und in der BRD bisher erlebt, und die Sicherheit, mit der Geißler ein ihm neues kompositorisches Feld erobert hat, verblüfft. Doch der Schein trügt. Geißler sagte 1972 in einem Werkstattgespräch dazu: „So plötzlich ist das nun wieder nicht vor sich gegangen. Seit vielen Jahren trug ich mich mit dem Gedanken einer Kleist-Vertonung. Zuerst habe ich natürlich an den .Zerbrochenen Krug' gedacht. Eigentlich komponierte ich diese Oper dreimal. Ein paar hundert Partiturseiten sind in diesen Jahren durch den Schornstein gegangen. Zuerst hatte ich eine Partitur für die herkömmlichen .großen Besetzungen' geschrieben. Da war aber die Textverständlichkeit vollkommen in Frage gestellt. Außerdem war das Komödiantische in seiner Dichte beispielsweise beim Dorfrichter Adam musikalisch in den herkömmlichen Verfahren nicht zu realisieren, ja, es wirkte sich geradezu hemmend auf die Entfaltung des Komödiantischen aus. Und jahrelang habe ich nach der besonderen Lösung gesucht, die die Textverständlichkeit vollkommen garantiert und das komödiantische Spiel der Sänger nicht einengt, sondern es, verstärkt und beflügelt durch die Musik, in besonderer Weise zur Geltung bringt. Dabei schob sich immer mehr der Gedanke an die Aleatorik in den Vordergrund."
Der Komponist hat an Kleists Lustspiel szenische Umstellungen vorgenommen, indem er die sechste Szene an die Spitze der Oper rückte. Die Turbulenz des Rechtsstreites hält auf diese Weise die Geschehnisse gleich von Anbeginn in Schwung und den Zuschauer in Atem. Frau Marthe beschwert sich vor Gericht in heller Aufregung darüber, daß ihr ein kostbarer Krug bei einem Tumult aus lauter Männerstimmen in ihrer Tochter Kammer Uhr eilfe in der Nacht zerschlagen worden ist, und nichtsahnend bezichtigt sie den Ruprecht, des Bauern Veit Tümpel Sohn und ihrer Tochter Eve Bräutigam. Der aber weist die Schuld von sich. Wohl wär er nächtens zu besagter Stunde „ein bissel noch zur Eve", doch da sei einer mit ihr in die Kammer geschlüpft. Die Tür aufbrechend habe er, Ruprecht, dem durch das Fenster in den Garten Flüchtenden und in den Pfählen im Spalier hängen gebliebenen Buhlen mit der Türklinke „eins pfundschwer übern Döz" gerissen. Erkennen konnte er ihn nicht, denn „stockfinster wars und alle Katzen grau". Das aber war der Dorfrichter Adam aus Utrecht selber. Er hätte den Fall kraft seines Amtes einfach abgewürgt, aber ausgerechnet da schneit ihm der Gerichtsrat Walter zur Inspektion herein. Dem Dorfrichter ist die Perücke abhanden gekommen, und sein Schädel zeigt eine tiefe Wundkerbe. Das Publikum kennt auf den ersten Blick den Schuldigen. Köstlicher Witz erwächst nun daraus, wie der Dorfrichter Adam, seinen eigenen Fall führend, die Schuld von sich ab und auf andere wälzen will und sich stets tiefer nur dabei hineinverstrickt. An besagtem Abend hat er Eve gegenüber vorgegeben, falls sie ihm geneigt sich zeige, den Ruprecht von der Konskription zu retten, auf Grund derer er angeblich mit der Landmiliz nach Ostindien expediert werden sollte. Die Sache erweist sich als erpresserischer Trick und durch den zerbrochenen Krug fliegt sie auf. Dorfrichter Adam sucht sein Heil in der Flucht.
Fritz Geißler hat die Dichtung Heinrich von Kleists wörtlich vertont, eingedenk Friedrich Wilhelm Hegels Auffassung, der „eine gewisse mittlere Art von Poesie" für die Musik am passendsten hielt, gewiß kein leichtes Unterfangen. Hegel fand zur Vertonung einen Text geeignet, „im Lyrischen wahr, höchst einfach, mit wenigen Worten die Situation und Empfindung andeutend; im Dramatischen ohne allzu verzweigte Verwicklung klar und lebendig, das einzelne nicht ausarbeitend, überhaupt mehr bemüht, Umrisse zu geben als dichterisch vollständig ausgeprägte Werke ...", und das trifft auf Kleists Dichtung ganz und gar nicht zu.
Wie hat Geißler diesen grundsätzlichen Widerspruch gelöst? Die Schwierigkeit dieses Problems forderte ihm ein Höchstmaß an schöpferischer Erfindung ab. Das mag eine Ursache für den Erfolg der Oper sein. Denn Geißler fand in der Tat sowohl eine optimale als auch originelle Lösung. Er reduzierte das Orchester auf ein Ensemble von elf Musikern. Was Hegel eigentlich vom Text verlangt, das überläßt Geißler seiner Musik: Sie umreißt mit prägnanten klanglichen Gestalten die Situation und die besondere Empfindung der jeweiligen Szene. Angefacht von einem Orchesterschlag und einem Hornruf, einem Signal zum Aufbruch gleich, fällt das Orchester mit einem tumultuarisch aufgewühlten und erregten Klangkomplex ein. Er trifft sowohl die Empfindungen der Frau Marthe („Ihr krugzertrümmerndes Gesindel, ihr! Ihr sollt mir büßen, ihr!") als auch die Situation der Szene: Zank und Streit mit viel Geschrei und derben Worten um weiter nichts als einen zerbrochenen Krug. Überall im Stück, wo in ähnlicher Gemütslage und Situation darauf Bezug genommen wird, ertönt diese Klanggestalt. Sie bildet die Basis der Gerichtsmusik. Auch jene Szene ist ganz von ihr erfüllt, da alles drunter und drüber geht und alle aufgebracht durcheinander schreien, und die Entlarvung Dorfrichter Adams am Schluß der Oper vollzieht sich zu diesen Klängen. Wie auf drei Pfeilern (Widerspruch, Konflikt, Katastrophe entspricht Eröffnung, Zuspitzung, Lösung) ruht auf ihnen die gesamte Opernmusik. Davon ausgehend und darum herum gewinnen die einzelnen Personen ihre musikalische Charakterisierung: zunächst die renitente Beharrlichkeit der Klägerin, Frau Marthe, in Form von aufwallenden motorischen Sechs-Achtel-Ketten. Immer von neuem angestachelt durch diesen Gestus kämpft sie gegen die Justiz. Ihre Tochter Eve hingegen verlegt sich aufs Beschwichtigen, nicht weniger eindringlich, aber im Gegensatz zur Aufgebrachtheit der Mutter in weiten melodischen Bögen zu einer ähnlich melodienreich angelegten, aber nichtsdestoweniger engmaschig verstrickten Orchestermusik Die Töne, die dem Dorfrichter Adam zugedacht sind, drehen sich um den Tritonus, den Teufel in der Musik, und dergestalt sind sie symbolisch aufzufassen. Bösartig und dümmlich brutal zugleich verbohren sich gegenläufig von unten nach oben und von oben nach unten Tritonus-Folgen in Tritonus-Abständen geschichtet ineinander zu den Worten Adams an Licht, als der ihn nach der Perücke fragt: „Scher dich zum Satan, wo du hingehörst!" Der Schreiber Licht nämlich, der in den neun Jahren seiner Amtszeit sein Licht immer unter den Scheffel stellen muBte, sieht mit dem Eintreffen des Gerichtsrats Walter die Stunde gekommen, da er es einmal richtig leuchten lassen kann. So versteht er es, durch gefällige, ausladende, betörende melodische Roskeln die besondere Aufmerksamkeit des Gerichtsrats auf sich und auf den Gerichtstag und die Rechtsprechung in Utrecht zu lenken wie ein zur Gerechtigkeit mahnendes Gewissen. Ähnlich Frau Marthes großer Krugarie („Ich klag, Ihr wißt's, hier wegen dieses Krugs...") ist auch der Bericht Ruprechts („Oja! Glock zehn Uhr mocht es etwa sein zur Nacht...") ein Meisterstück zeitgenössischer Opernmusik. In beiden Fällen verwendet Geißler eine dreischichtige musikalische Gestaltung: die Schilderung der berichteten Details, die Ausleuchtung der Situation im dramaturgischen Bereich und die Charakterisierung der subjektiven Empfindungen der Beteiligten. Hier wird es zur wahren Freude, einmal den Worten folgend die Musik zu deuten. Übrigens symbolisiert der Hornruf des Anfangs beispielsweise den gehörnten Teufel Adam ebenso wie dessen Absicht, dem Ruprecht mit Evchen Hörner aufzusetzen, woraus das ganze prachtvolle Stück „Der zerbrochene Krug" überhaupt erst erwächst.
Gerd Schönfelder (1977)
Gestaltung: Manfred Kempfer

Mehr Informationen
ArtikelnummerNova 8 85 123
Preis11,95 €
InterpretVarious Artists
PlattennameFritz Geißler - Der Zerbrochene Krug
EAN NummerNicht verfügbar
PlattenlabelAndere
PlattentypLP / Vinyl 12"
Vinylgewicht pro Schallplatte180 gramm
Anzahl der Platten1
BeilagenNicht verfügbar
Release Jahr1977
Allgemeiner PlattenzustandGebraucht
Zustand TonträgerNicht verfügbar
Zustand CoverNicht verfügbar
PlattenreinigungNicht verfügbar
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