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Wie Die Tiere Überhaupt Regieren Würden

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Wie Die Tiere Überhaupt Regieren Würden
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Wie Die Tiere Überhaupt Regieren Würden

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WIE DIE TIERE ÜBERHAUPT REGIEREN WÜRDEN
Walfriede Schmitt, Eberhard Esche, Herwart Grosse lesen Fabeln aus dem 18. und 19. Jahrhundert
Musik Bernd Wefelmeyer
Variationen des Frühlingsliedes op. 62,6 von Mendelssohn aus dem Zyklus »Lieder ohne Worte«
Regie: Hannelore Solter
Redaktion: Hans Nadolny
Es spielt eine Instrumentalgruppe unter der Leitung des Komponisten
Tonregie: Karl Hans Rockstedt


Seite 1
1.    Magnus Gottfried Lichtwer (1719-1783) Die beraubte Fabel
2.    Phädrus (um 40 u. Z.) Der Wolf und das Lamm deutsch von Johannes Siebelis
3.    Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) Der Wolf und das Schaf
4.    Gotthold Ephraim Lessing Die Wasserschlange
5.    Gottlieb Konrad Pfeffel (1736-1808) Die Stufenleiter
6.   Johann Gottfried Herder (1744-1803) Der Löwe und die Stiere
7.    Gotthold Ephraim Lessing Die Geschichte des alten Wolfs in sieben Fabeln
8.    Magnus Gottfried Lichtwer Das schlechte Tuch
9.    Iwan Andrejewitsch Krylow (1769-1844) Die Katze und die Nachtigall deutsch von Ferdinand Löwe
10.  Iwan Andrejewitsch Krylow .   Der Baum deutsch von Ferdinand Löwe
11.   Christian August Fischer (1771-1829) Die Birken und die Fruchtbäume

Seite 2
12.  August Friedrich Ernst Langbein (1757-1835) Der Adler und die Schnecke
13.  Iwan Andrejewitsch Krylow Die Sau unter der Eiche deutsch von Ferdinand Löwe
14.  Gotthold Ephraim Lessing Die Eiche und das Schwein
15.  Johann Gottfried Herder Die Ratte in der Bildsäule Nachdichtung aus dem Chinesischen
16.  Arthur Schopenhauer (1788-1860) Die Stachelschwäne
17. Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) Wie die Tiere überhaupt regieren würden
18.  Iwan Sergejewitsch Turgenjew (1818-1883) Das Fest des höchsten Wesens
19.  Gotthold Ephraim Lessing Der Knabe und die Schlange
20.  Samuel Richardson (1689-1761)Die unmöglich abzuschaffende Schmeichelei deutsch von Gotthold Ephraim Lessing
21.  Heinrich Heine (1797-1856) Der tugendhafte Hund

Heinrich heine würde sich im Grabe umdrehen, wüßte er sich auf dieser Schallplatte mit einem preußischen Zensor vereint. Aber der Zensor August Friedrich Ernst Langbein aus Berlin hat Literatur nicht nur verboten, sondern auch bereichert - mit vielen Fabeln, von denen zumindest eine - die vom Adler Und Der Schnecke -in unserer begrenzten Auswahl das Recht hat, neben der Heines zu stehen. In ihr sind sicher persönliche Erfahrungen verarbeitet, und wir dürfen sie als eine frühe Form von »Selbstkritik« ansehen.
Heine schrieb Fabeln erst kurz vor seinem Tode: »Ich muß mich auf alles gefaßt machen, denn wenn die Qualen, die ich jetzt erleide, nicht abnehmen, so muß ich die Boutique schließen. Meine geistige Aufregung ist vielmehr Produkt der Krankheit als des Genius, so z. B. habe ich in der letzten Zeit eine Menge drolliger Tierfabeln versifiziert.« Sie sind seinen anderen Dichtungen so ebenbürtig geraten, daß Heine feststellen konnte: »Die Glöckchen der alten Kappe klingeln (wieder) mit unbarmherziger Lustigkeit.« In Heines Werk bildet die Fabel eine Ausnahme. Auch bei dem Pädagogen Pestalozzi, bei dem Philosophen Schopenhauer und bei dem Romancier Turgenjew sind Fabeln Gelegenheitsdichtung. Nichtsdestoweniger wurde die Fabel von diesen Autoren hoch geschätzt. Sie hielten sie mit Herder für »einen Quell, für ein Miniaturstück der großen Dichtkunst, wo man die meisten Dichtungsregeln in ihrer ursprünglichen Einfalt, gewissermaßen in Originalgestalt findet.« Im 18. und 19. Jahrhundert erlebte in Europa diese älteste literarische Gattung ihre letzte Blütezeit. Noch einmal wurde ihr hier ein literarischer Rang erkämpft gegen die Auffassung, daß sie nur Lehrgedicht sei. Für die Aufklärer Richardson und Lessing war die Pflege der antiken Fabel von Aesop, Phaedrus und Babrios ein Programm: Das bürgerliche Selbstbewußt-sein, das sie in ihren Romanen und Dramen gestalteten, wurzelte in den »Urgeschichten der Menschheit« (wie Goethe die Fabeln nannte), in den Kämpfen des Kleinen gegen den Großen, des Guten gegen das Böse, der Gerechtigkeit gegen die Ungerechtigkeit usf. Für Lessing war die Fabel von prinzipieller .Bedeutung: »Ich hatte   -mich bei keiner Gattung von Gedichten länger verweilet als bei der Fabel. Es gefiel mir auf dem gemeinschaftlichen Raine der Poesie und Moral. Ich hatte die alten und neuesten Fabulisten so ziemlich alle, und die besten von ihnen mehr als einmal gelesen. Ich hatte über die Theorie der Fabel nachgedacht. Ich hatte mich oft gewundert, daß die gerade auf die Wahrheit führende Bahn des Äsopus, von den Neuern, für die blumenreicheren Abwege der schwatzhaften Gabe zu erzählen so sehr verlassen werde.« Lessing verteidigte die ehrwürdige Gattung gegen den französischen Fabeldichter La Fontaine, der die Fabel ihrer Natur- und Wirklichkeitsnähe beraubt und zur höfischen Unterhaltungsliteratur degradiert hätte. Als Samuel Richardson die aesopischen Fabeln in England als »Sittenlehre« herausgab, dichtete sie Lessing für das deutsche Bürgertum nach. Zwei Jahre später, 1759, brachte er seine eigenen Prosafabeln auf den Markt. Der Titel: »Gotthold Ephraim Lessings Fabeln. Drey Bücher. Nebst Abhandlungen mit dieser Dichtungsart verwandten Inhalts.« Herder verteidigte Lessings Fabeltheorie als die »bündigste, gewiß philosophische Theorie, die seit Aristoteles' Zeiten über eine Dichtungsart gemacht wurde« und untersuchte selbst in mehreren Aufsätzen Wesen, Wert und Eigenschaften dieser literarischen Kleinform. Er verbannte die pure Didaktik aus dem Bereich der Fabel: »Menschen wollen nicht immer gern von andern belehrt, geschweige zurechtgewiesen sein; sie wollen sich durch Vorhalten der Sache selbst belehren. Dies tut die Fabel. In ihr wird eine Handlung dargestellt, die durch sich spricht.« Ewiger Stoff der Fabel sei die Natur. Mit ihren Gesetzmäßigkeiten müsse sich der Mensch auseinandersetzen, um leben zu können. Nur dadurch bilde sich sein Verstand. Die Fabel, die die Gesetzmäßigkeiten der Natur nachahme, schule den Verstand, diene der 'Bildung Kluger Köpfe' -.
In den Tierfiguren vieler Fabeln sieht Herder nicht nur simple Verkleidungen menschlicher Charaktere oder politischer Zustände, sondern eine Orientierung des Lesers auf einen historisch zwar verflossenen, dennoch aber erinnerungswerten Zustand der Menschheit, in dem noch natürliche Beziehungen zwischen Mensch und Natur, zwischen Mensch und Mensch herrschten: »Tiere handeln in der Fabel, weil dem sinnlichen Menschen alles Wirkende in der Natur zu handeln scheint; und welche wirkenden Wesen wären uns näher als die Tiere? Ein Kind zweifelt niemals, daß die lebendigen Geschöpfe, mit denen es umgeht, gewissermaßen seinesgleichen sind, also auch -seiner Art nach besehen - wollen und wirken. Es hält sie, selbst wenn es sie quält, nicht für Cartesische Maschinen. Mit allen sinnlichen Völkern ist's dasselbe. Der Araber spricht mit seinem Roß, der Hüte mit seinem Schaf, der Jäger mit seinem Hunde, der Neger mit seiner Schlange, ja der arme Gefangene endlich mit seinen Spinnen und seiner Maus.« Herders Wertschätzung der Fabel gipfelt in den Worten: »Die schönsten und eigentlichen Fabeln sind herausgerissene-Blätter aus dem Buch der Schöpfung; ihre Charaktere sind lebendig-fortwährende ewige Typen, die vor uns stehen und lehren. So betrachteten alle Naturvölker die Fabel. Sie war ihnen ein Lehrbuch der Natur, dem nur ein Schwacher oder Irrer zu widersprechen wagte.«
Herder bestätigte Lessing in der Auffassung, daß dieser Gehalt in der zur Mode erstarrten französischen Fabel verlorengegangen sei, daß er aber wiedergewonnen werden könnte: »In den Händen sowohl als im Reich der Natur leben wir, ihr unendwindbar. Wenn nicht Zeder und Zypresse, so wachsen Birke und Fichte vor unseren Augen; wenn nicht Tiger, so kennen wir Wölfe, Bären und Füchse Ja, entgingen auch sie, die Naturordnung besteht und wird bestehen, sie, der ewige Grund der Fabel. Die großen Begebenheiten der Welt, auch unsrer neuern Geschichte Europas, jedes umgeworfene Blatt der Weltbegebenheiten (sind) ein einziges lebendiges Fabelbuch«, aus dem man nur schöpfen müsse. Nach Lessing hat eine .ganze Generation noch in ihm gelesen und die Fülle schönster Fabeldichtungen hervorgebracht. Letztlich errangen viele Dichter im 18. und 19-Jahrhundert ihre literarische Geltung durch die ausschließliche Besinnung auf die Fabel - so z. B. Christian August Fischer, Magnus Lichtwer, Gottlieb Konrad Pfeffel. Ähnlich erging es auch dem russischen Dichter Krylow. Seine Komödien sind heute vergessen, aber seine über 200 Fabeln werden immer wieder verlegt. Die Fabeldichter des 18. und 19. Jahrhunderts, darin eingeschlossen Heinrich Heine und der preußische Zensor, machten die Fabel wieder zu einer witzig-ernsten Kostbarkeit, nach dem Rezept Lichtenbergs »mit den wenigsten Worten zu erkennen zu geben, daß man viel gedacht habe.«                 Hans Nadolny (1978)
KLEINE ANMERKUNG ZUR MUSIK Die Musik zu dieser Platte bedient sich des Mittels der Musikparodie. Ausgangspunkt ist ein Thema von Mendelssohn. Es bildet die Grundlage für die folgenden freien Variationen, die sich stilistisch ziemlich unbekümmert ausnehmen und auch nicht »tierisch ernst« gehört werden wollen. Alle Variationen sind parodistisch angelegt, d. h. sie lassen das am Anfang der Platte unverfälscht erklingende Thema fremd erscheinen. Es entsteht ein unstimmiges Inhalt-Form Verhältnis, das die Lüge als Lüge, die Schmeichelei als Schmeichelei entlarvt und Mißstände bloßstellen hilft. Als Beispiele seien genannt: der falsch klingende Tango steht in Beziehung zur »Schmeichelei«, der geschwätzige Walzer zum Jahrmarktstreiben des »schlechten Tuches«, die kratzenden 8tel zwischen Flöte, Klarinette und Violine zu den »Ratten in der Bildsäule« und der Kampf zwischen tugendhaftem Mendelssohn- und frechem Offenbachthema der Schlußmusik zu den Hunden der Heine-Fabel.        
Bernd Wefelmeyer

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EAN NummerNicht verfügbar
ProduktnameWie Die Tiere Überhaupt Regieren Würden
Preis19,90 €
LieferzeitIm Schallplattenladen Stralsund
InterpretVarious Artists
PlattennameWie Die Tiere Überhaupt Regieren Würden
PlattenlabelLitera
PlattentypLP / Vinyl 12"
Vinylgewicht pro Schallplatte180 gramm
Anzahl der Platten1
BeilagenNicht verfügbar
Release Jahr19778
Allgemeiner PlattenzustandGebraucht
Zustand TonträgerNicht verfügbar
Zustand CoverNicht verfügbar
PlattenreinigungNicht verfügbar
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