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Iphigenie Auf Tauris - Gesamtausgabe (3 LP Box)

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Iphigenie Auf Tauris - Gesamtausgabe (3 LP Box)
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Iphigenie Auf Tauris - Gesamtausgabe

49,90 €

IPHIGENIE AUF TAURIS
Schauspiel von Johann Wolfgang Goethe Nach der Inszenierung des Deutschen Theaters, Berlin unter der Regie von Wolfgang Langhoff

Iphigenie   Inge Keller
Thoas, König der Taurier   Herwart Grosse
Orest   Horst Drinda
Pylades   Otto Mellies
Arkas   Ernst Kahler

Schallplattenregie: Kurt Seeger, Wolfram Krempel
Tonregie: Karl-Hans Rockstedt
(aufgenommen im Sommer 1972)

1.  Platte
Seite 1:
Rede Wolfgang Langhoffs anläßlich der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des Deutschen Theaters
Szene mit Wolfgang Langhoff als Thoas und Inge Keller als Iphigenie (Generalprobenmitschnitt)
Inge Keller liest das von Wolfgang Langhoff abgewandelte und an sie gerichtete Parzenlied
Iphigenie auf Tauris 1. Akt, l.und 2. Auftritt

Seite 2:
1. Akt, 3. und 4. Auftritt

2.  Platte
Seite 3:      2. Akt
Seite 4:      3. Akt

3.  Platte
Seite 5:      4. Akt
Seite 6:      5. Akt

Johannes R. Becher - Ein höchst Lebendiger Auszug aus seiner Rede zur 200. Wieerkehr des Geburtstages von Goethe (28. August 1949)
Wenn je ein deutscher Dichter ein diesseitiger war, so war es Goethe . . .     Goethe war der große deutsche Lobgesang des Lebens. Er war das Hohelied, das aus ihm in deutscher Sprache das Leben gesungen hat. Er erfüllte den Erdenraum mit seinem Das-Leben-Preisen und Den-Menschen-Rühmen.     Dem gesetzmäßig Lebendigen vor allem galt sein Lob, wie er sagt: »Das       Schöne sei, wenn wir das gesetzmäßig Lebendige in seiner größten Tätigkeit und Vollkommenheit schauen, wodurch wir zur Reproduktion gereizt und gleichfalls lebendig uns in höchste Tätigkeit versetzt fühlen.« Der goethesche Himmel hat nichts von einem Jenseits mehr, er ist gottverlassen, er ist ohne metaphysische Rückverbundenheit, ohne spirituellen Hintergrund, kein Paradies mehr, kein ewiger Aufenthalt mehr für höhere Wesen, der goethesche Himmel ist ein diesseitiger, ein Erdenhimmel, ein physikalischer Raum und ein Dichtergleichnis, alles höhere Leben spielt sich auf dem Schauplatz der Erde ab.
Dieses Hiesige und dieses Diesseitige war für Goethe ein »Gesetzmäßig-Lebendiges«. »Der Mensch, wo er bedeutend auftritt, verhält sich gesetzgebend.« Ein höchst Lebendiger war er, ein Wirklichkeitsbekenner, ein ganz und gar Hiesiger und Diesseitiger: er war ganz da. Er war die größtmögliche Nähe, die ein Mensch sich selber gegenüber gewinnen kann. Er war »Da-Sein«. So irdisch-menschlich, so menschlich-sterblich, daß er ein Unsterblicher war . . .


Iphigenie aufTauris
Ein Schauspiel von Johann Wolfgang Goethe
Dies ist die Vorgeschichte, wie sie bereits der „Iphigenie" des Euripides zugrundeliegt und wie sie auch die beiden anderen großen Tragiker Aischylos und Sophokles, die ebenfalls die Geschichte des Mykeni-schen Königshauses dramatisch dargestellt haben, voraussetzten: Der Griechen Flotte lag im Hafen Aulis fahrtbereit nach Troja, als Agamemnon, im Hain der Göttin Diana jagend, eine der als heilig angesehenen Hirschkühe tötete. Diana zürnte, indem sie monatelang die Winde landeinwärts wehen ließ, so daß die Flotte nicht auslaufen konnte, und Meuterei und Auflösung des Heeres drohte. Das Orakel von Delphi — dem Heiligtum Apolls, des Bruders der Diana — wurde befragt und gab Antwort: Agamemnon solle zur Sühne seiner Freveltat seine älteste Tochter Iphigenie auf dem Altar der Diana in Aulis opfern. Der König fügte sich dem Spruch, sandte Boten nach My-kene und lockte Iphigenie mit ihrer Mutter Klytämncstra unter dem Vorwand nach Aulis, Iphigenie mit dem strahlenden Helden Achill, der gleichfalls getäuscht wurde, zu vermählen.
Das Furchtbare geschah: Agamemnon fügte sich dem unmenschlichen und widernatürlichen Gebot der Götter. Aber die versöhnte Göttin entrückt Iphigenie im Augenblick des Opferaktes durch ein Mysterium und entführt sie auf wundersame Weise nach Taurien, in den dortigen Tem-pel'der'Diana. Für die Menschen, vor allem für ihre Mutter Klytämnestra aber bleibt Iphigenie geopfert, tot. Daher der alles Maß überschreitende Haß der Klytämnestra gegen ihren Gatten Agamemnon. Zehn Jahre später, als er von Troja zurückkehrte, tötete sie ihn mit Hilfe ihres Buhlen Aighistos. Diese Bluttat zog den Muttermord Orcsts nach sich, der den Vater rächte. Orest wurde nach dieser grauenvollen Tat von den das Mutterrecht schützenden Rachegöttinnen, den Eumeniden, verfolgt. Er verfiel dem Wahn. Das Orakel von Delphi, abermals befragt, versprach Heilung, wenn Orest die Schwester von Tauris zurückhole. Orest und sein Freund Pylades mißverstanden das Orakel. Sie wähnten, Apolls Schwester Diana sei gemeint. So fuhren sie nach Tauris (der heutigen Krim), um das Standbild der Diana zu rauben und nach Griechenland zu schaffen. Bei der Landung wurden sie gefangengenommen.
Zu Beginn des Schauspiels finden wir Iphigenie als Priesterin der Diana auf Tauris. Sie ist seit vielen Jahren ohne Nachricht vom Schicksal ihrer Eltern und Geschwister. Auch über den Ausgang des Trojanischen Krieges ist noch keine Kunde nach Tauris gelangt.

1. Akt
1. Auftritt
Iphigenie, ihr Los beklagend, ruft Diana an, sie den Ihrigen wiederzugeben und sie von dem Dienst als Priesterin, den sie nur mit stillem Widerwillen versieht, zu erlösen.
2.  Auftritt
Arkas, Berater und Bote des Skythenkönigs Thoas, meldet Iphigenie die Rückkehr des Herrschers von einem siegreichen Kriegszug. Er läßt ihre Klagen nicht gelten und gemahnt sie, nicht mehr länger dem Werben Thoas', der Iphigenie tief verehrt und liebt, zu verschließen.
3. Auftritt
Für Iphigenie aber bedeutet des Königs Werben, dem sie schon oft ausgewichen ist, eine schreckliche Bedrohung, da sie für ihn nur kindliche Liebe empfindet. Als Thoas um sie anhält, erinnert sie ihn an das bisher sorgsam bewahrte Geheimnis ihrer Abkunft und spricht von einem „verwünschten Haupt", das er nährt und schützt. Thoas jedoch fordert sie auf, ihr hartnäckiges Schweigen, das er viele Jahre geachtet hat, endlich zu brechen. So genötigt, berichtet Iphigenie von der an Greueln überreichen Geschichte des Tan-talidengeschlechtes. Thoas ist erschüttert, aber nicht abgeschreckt. Er erneuert den Antrag. In ihrer Not beruft sich Iphigenie auf den Willen der Götter, die sie ausersehen haben, in die Heimat zurückzukehren und Vater, Mutter und Geschwister zu versöhnen. Thoas' Gefühl schlägt um in den Zorn des abgewiesenen Freiers, der dem geliebten Wesen weh tun will. Er verlangt die Rückkehr zu dem alten, grausamen, durch Iphigeniens Einfluß aufgehobenen Gesetz, wonach alle Fremden, die nach Tauris gelangten, der Göttin Diana geopfert wurden. Er gebietet ihr, diese schreckliche Pflicht als Priesterin an zwei eben gefangengenommenen Fremden unverzüglich zu erfüllen.
4. Auftritt
Allein geblichen, voll Entsetzen über diese jähe Wendung, ruft Iphigenie den Beistand der Göttin an.
2. Akt
1. Auftritt
Die Fremden sind Orest und Pylades. Der verzweifelte, von den Rachegöttinnen gehetzte Orest sieht in der von Thoas verlangten Opferung die Erlösung von seinen Qualen. Pylades aber sinnt auf Rettung und richtet es so ein, daß Iphigenie zunächst mit ihm zusammentrifft.
2. Auftritt
Iphigenie befragt Pylades nach dessen Herkunft. Dieser stellt sich und Orest unter falschen Namen vor. Iphigenie erfährt,
daß Troja gefallen ist und Agamemnon von seiner Gemahlin Klytämnestra ermordet wurde, die damit Iphigeniens Opferung rächen wollte. Tief ergriffen von seinen Worten vcrläßt Iphigenie Pylades mit dem Versprechen, ihn wiederzusehen. Aus Iphigeniens Haltung schöpft Pylades neue Hoffnung für sich und Orest.
3. Akt
1. Auftritt
Auf ihre dringenden Fragen berichtet Orest Iphigenie den Fortgang der Geschichte: der Sohn tötete, um den Vater zu rächen, seine Mutter. In tiefem Vertrauen zur unbekannten Priesterin enthüllt Orest seine Identität. Auch Iphigenie gibt sich dem Bruder zu erkennen. So erfährt Orest, daß es nie einen Opfertod Iphigeniens zu beklagen, also auch nicht zu rächen gab. Der Gattenmord wie der Muttermord entbehren jedes für den Menschen faß-baren Sinns, Mörder und Ermordete sind gleichermaßen Opfer, sind nur die blind handelnden Personen eines Schauspiels, das sich die Überirdischen bereiteten. Und noch scheint dem Morden kein Ende gesetzt; denn der Schwester ist auferlegt, dem Bruder mit eigener Hand den Tod zu geben. Orest, von Gewissensqualen verfolgt, bricht ermattet zusammen. Hilfesuchend ruft Iphigenie nach Pylades.
2. Auftritt
Aus seiner Betäubung erwachend, glaubt sich Orest bereits im Reich der Toten. In einer Vision erblickt er den langen Zug seiner Vorfahren als eine Gemeinschaft friedlicher, in Harmonie verbundener Menschen, sieht den Vater im vertrauten Gespräch mit der Mutter. Nur der Ahnherr Tantalus erleidet in den Tiefen des Schattenreiches maßlose Qualen.
3. Auftritt
Als Iphigenie mit dem zu Hilfe gerufenen Pylades erscheint, glaubt Orest, auch sie seien bereits aus dem Leben geschieden. Eindringlich beschwört ihn Pylades, sich zu besinnen und Kräfte zu sammeln für den Augenblick der Rückkehr. Orest erwacht aus seinen Wahnvorstellungen und fühlt sich erlöst von dem auf seinem Herzen lastenden Fluch.
4. Akt 1. Auftritt
In einem Monolog preist Iphigenie die Klugheit und Tatkraft Pylades, der listig und geschickt die Flucht vorbereitet. Die Hoffnung, an der Seite des geliebten Bruders endlich in die Heimat zurückkehren zu können, macht sie froh; aber es widerstrebt ihr schmerzlich, daß sie, nach dem Plan des Pylades, den das Opfer fordernden Thoas mit einer Lüge hintergehen soll.

2. Auftritt
Arkas überbringt Iphigenie des Königs Befehl, das Opfer nicht länger hinauszuzögern. Zum ersten und einzigen Mal in ihrem Leben lügt Iphigenie: „Der älteste dieser Männer trägt die Schuld des nahverwandten Bluts, das er vergoß. Die Furien verfolgten seinen Pfad, ja, in dem innern Tempel faßte selbst das Übel ihn, und seine Gegenwart entheiligte die reine Stätte. Nun eil' ich mit meinen Jungfraun, an dem Meere der Göttin Bild mit frischer Welle netzend, geheimnisvolle Weihe zu begehn. Es störe niemand unsern stillen Zug!" Abermals beschwört Arkas Iphigenie, des Königs Antrag anzunehmen. Nicht nur die Fremden wären gerettet. Iphigenie, an der Seite Thoas', würde durch ihre Milde und Freundlichkeit dem ganzen Volk der Skythen zum Segen gereichen. Iphigenie weist diesen Gedanken von sich, weil sie nicht lieben kann, wo sie nur Freundschaft und Dankbarkeit empfindet.
3. Auftritt
Arkas eilt, dem König von dem neuen Hindernis zu berichten und läßt Iphigenie in tiefer innerer Zerissenheit zurück. Die Freude über das Wiedersehen mit dem Bruder und die geplante Flucht wird getrübt von dem Gedanken an die Menschen, deren Vertrauen sie mißbrauchen würde.
4. Auftritt
Pylades kommt und bringt Iphigenie die Botschaft naher Rettung. Orest ist geheilt, das Schiff mit den Gefährten wiedergefunden. Es bleibt nur noch die Aufgabe, Dia-nens Bild aus dem Tempel zu rauben und zum Ufer zu schaffen. Iphigenie zögert. Nach dem Grund befragt, schildert sie das Gespräch mit Arkas. Pylades erinnert sie an ihren Auftrag, den Palast der Atriden, Schauplatz aller Greuel, endlich zu entsühnen. Aber Iphigenie sieht in Thoas ihren zweiten Vater, sie vermag ihn nicht zu betrügen und zu berauben.
5. Auftritt
Klagend über die ausweglose Verstrickung und in tiefem Zorn über das grausame Spiel der Götter mit Menschenschicksalen, erinnert sich Iphigenie des Parzenliedes, das die Amme ihr und den Geschwistern in der Jugend gesungen hat.
5. Akt
1.und2. Auftritt
Arkas nährt in Thoas den Verdacht, daß die Gefangenen auf Flucht sinnen und hierbei von Iphigenie unterstützt werden. Thoas befiehlt, das Ufer zu bewachen und will Iphigenie wegen des verzögerten Opfers zur Rede stellen.
3. Auftritt
Thoas verhehlt Iphigenie nicht, daß er ihr mißtraut und fordert Rechenschaft von
ihr. Iphigenie wirft Thoas in harten Worten Rachsucht und Rückfall in barbarische Sitten vor. Er verschanzt sich hinter dem alten Gesetz — sie verweist auf das weitaus ältere, völkerverbindende Gesetz der Gastfreundschaft. Doch der verhärtete Thoas zwingt Iphigenie, zu gestehen, daß sie in den Fremden Landsleute erkannte. Sein Verdacht wächst. Iphigenie steht vor der Bewährungsprobe ihres Lebens. Sie entschließt sich, alle Ränke beiseite zu lassen und sagt dem König die Wahrheit. In seine Hand legt sie nunmehr die Entscheidung über ihr weiteres Schicksal und das der Gefangenen. Der König ist geneigt, Iphigeniens Worten zu folgen.
4. Auftritt
Mit gezogenem Schwert stürzt Orest in den Hain. Die Skythen haben das griechische Schiff entdeckt, es bgann ein ungleicher Kampf. Orest bahnte sich kämpfend den Weg, um Iphigenie aufs Schiff zu holen. Ein blutiger Zusammenstoß mit Thoas scheint unvermeidlich; da gelingt es Iphigenie mit eindringlichen Worten, die Parteien zu einem Waffenstillstand zu bewegen. Sie beweist dem zweifelnden Thoas die Identität des Bruders.
5. Auftritt
Mit bloßen Schwertern treten Pylades und Arkas auf. Der Sieg der Skythen scheint gewiß. Da gebietet Thoas seinem Volk Stillstand.
6. Auftritt
Orest will sich dem besten Kämpfer der Skythen zum Zweikampf stellen. Der Ausgang soll im Sinne eines Gottesurteils darüber entscheiden, ob das uralte Gastrecht auf Tauris wieder gelten soll. Der Skythen-könig selbst nimmt die Herausforderung zum Kampf an. Beide stehen sich mit gezückten Schwertern gegenüber, da wirft sich Iphigenie zwischen sie. Niemehr sollen rohe Gewalt und List die Völker trennen; Frieden, Gastrecht und Vertrauen mögen sie für alle Zeit verbinden. Thoas ist von der Schönheit und Größe ihrer Gedanken tief bewegt. Er reicht Iphigenie zum Abschied und zum Zeichen der immerwährenden Freundschaft die Hand.


Die künstlerische Konzeption und das Bühnenbild
Die Vorarbeiten zur Inszenierung der Goetheschen „Iphigenie" können als Modellfall für eine beispielhafte Zusammenarbeit zwischen Regisseur und Bühnenbildner gelten — zwischen Wolfgang Langhoff und Heinrich Kilger. Das Schauspiel, von uns als großes Nachkriegsdrama, als Neubeginn einer erstmals wahrhaft menschlichen Welt konzipiert, basiert auf einer großen dialektischen Diskussion über die humanistischen Grundforderungen „Zwischen uns sei Wahrheit!" und „O enthalte vom Blut meine Hände!". Das Wort — in der herrlichen Sprache Goethes
— ist das Medium, dem zu höchster Ausdruckskraft zu verhelfen ist. Also auch eine Aufgabe für den Bühnengestalter. Kilger und Langhoff tasteten sich von Goethes Schauplatzangabe „Hain vor Dianas Tempel" und Iphigeniens Anfangsmonolog an sie heran, darin von „Schatten" und „rege Wipfel des alten, heü'gen dichtbelaubten Haines" die Rede ist. Der erste Entwurf enthielt angedeutet die Höhe der Steilküste und die Nähe des Meeres, eine zum Tempel führende Freitreppe, eine Anzahl Bäume und einige weitere Bauelemente. Man schaute sich das an, rückte hier und da an den Modellteilchen — schwieg, schüttelte den Kopf und ging, sich alles noch einmal zu überschlafen. Am nächsten Tag war die Treppe bereits verschwunden, der Tempel also hinter die Kulisse verlegt, unsichtbar für den Zu-schauer.Was aber noch an „Landschaft" verblieb, störte — sobald man an den Auftritt der Iphigenie und an den ersten Monolog — die Sprache! — dachte. Also weg mit allem, was „historisch" an Tauris und Krim erinnerte, weg auch mit dem „dichtbelaubten Hain"! Schön und gut — aber noch immer ein Schritt ins Ungewisse, Unbefriedigende. Goethes Sprache, sein Wort — würden sie auf dieser Szene, die noch „Blickfänge" enthielt, voll zur Geltung kommen? Man seufzte — und ging wieder auseinander. Beim nächsten Mal wurde der Hain auf drei Bäume reduziert, danach auf zwei, auf einen — und schließlich ganz auf diese bildhafte Andeutung verzichtet. Als Frage ergab sich: muß Iphigenie denn unbedingt, aus dem Tempel kommend, die Szene betreten? Könnte sie nicht schon von Anfang an draußen stehen oder sitzen, aus bereits stattgefundenen Gedankengängen heraus aussprechen, was sie bewegt? Gedacht, getan! Am nächsten Tag war — im Modell — die Szene leer bis auf drei klobige Bänke, die einen zweiten, inneren Spielraum zu einer sehr intimen Sphäre monologischer und wechselseitiger Mitteilung einengten und damit konzentrierten. Die Bühne selbt, als sanfte Schräge, weit in den Zuschauerraum hineingezogen, dieser nicht mehr verdunkelt, sondern durch grelle Scheinwerfer von allen Seiten in eine hellstmögliche Klarheit gestellt — und Iphigenien die vorderste Bank links (vom Zuschauer) als Sitzplatz zugewiesen, von dem aus Stück und Goethes Beweisführung vom Elend des Loses der Weiber nun ihren Anfang nehmen konnten. Somit ganz aufs Wort gestellt, von nichts mehr abgelenkt, aus dem Sagenhaften des antik Mythologischen in die Allgemeingültigkeit heutiger Aussage erhoben — so konnte nunmehr Goethes Meisterwerk auf die Menschen unserer Tage ihre volle, vom Dichter beabsichtigte Wirkung — der Veränderung menschlichen Denkens und Bewußtseins — ausstrahlen. Beiträge auf den Seiten 4 — 8:
Kurt Seeger

Quellenangaben: Programmheft des Deutschen Theaters „Iphigenie auf Tauris"
Spielzeit 63/64, Heft 1
DT- INTERVIEW 3/72,
„Heinrich Kilger zum Geburtstag"
Fotos: Barbara Meffert, Dietlind Krönig, Gisela Brandt
Redaktion: Kurt Seeger/LITERA-Kollektiv
Gestaltung: Wolfgang Geisler

Mehr Informationen
Artikelnummer Litera 8 65 195, 8 65 196, 8 65 197
Preis 49,90 €
Interpret Various Artists
Plattenname Iphigenie Auf Tauris - Gesamtausgabe
EAN Nummer Nicht verfügbar
Plattenlabel Litera
Plattentyp LP / Vinyl 12"
Vinylgewicht pro Schallplatte 180 gramm
Anzahl der Platten 3
Beilagen Heftbeilage /Booklet/Buch
Release Jahr 1973
Allgemeiner Plattenzustand Gebraucht
Zustand Tonträger Nicht verfügbar
Zustand Cover Nicht verfügbar
Plattenreinigung Nicht verfügbar
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