Gustaf Gründgens in - Das Glas Wasser

Gustaf Gründgens in - Das Glas Wasser

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GUSTAF GRÜNDGENS IN – DAS GLAS WASSER
Text: Helmut Käutner - frei nach  Eugene Scribe
Musik: Bernhard Eichhorn/ Roland  Sonder - Mahnken

Sir  Henry St.  John    Gustaf- Gründgens
Königin    Liselotte Pulver
Lady Churchill    Hilde Krahl
Abigail    Sabine  Sinjen
Arthur Masham    Horst Janson
Thompson, Butler   Hans Leibelt
Maitre de plaisir    Bobby Todd

Bert Kämpfert mit seinem Orchester
Regie: Helmut Käutner

Der Name Eugene Scribes (1791 bis 1861), des routinierten und zu seiner Zeit erfolgreichen Stückeverfertigers, wäre heute — abgesehen von der Zunft der Literarhistoriker — kaum noch jemandem geläufig, gäbe es da nicht jenes Lustspiel aus seiner allzu flinken Feder, das sich im Repertoire großer und kleiner Bühnen noch immer mit der Aufführungshäufigkeit von Klassikern messen kann: „Ein Glas Wasser".
Die Hartnäckigkeit, mit der sich dieser leichtgewichtige  Theaterspaß  nun  schon   über fünf Generationen   hinweg   am   Leben   erhält,   beweist denn  doch,  daß sein Autor,  neben  der zu   Recht   vergessenen   Serienproduktion,   wenigstens einmal seinem Publikum etwas mehr zu bieten wußte: die historische Komödie mit zeitgeschichtlicher   Bezüglichkeit. Freilich,    den    saturierten    Zeitgenossen    der Restaurationsepoche,   die  sich   das   „Enrichez vous" (Bereichert    Euch!)    zur   Lebensmaxime erkoren   hatten   und   nun   Parkett   und   Ränge füllten,   mochte   das   geschichtliche   Gleichnis kaum  aufgehen. War Scribe doch  auch  Opportunist genug, ihnen in der Gestalt des so erfolgreichen Bolingbroke jene Gestalt zu präsentieren,  mit der sie sich, ihren  bürgerlichen Wunschträumen    nachhängend,    identifizieren konnten   und   es  auch   —  allzu   bereitwillig   — taten.   Und   was   ist   das   für   ein   Teufelskerl, dieser  Bolingbroke!  Von   messerscharfem   Intellekt, voller aggressivem Witz, mit tollkühner Respektlosigkeit wirbelt er zur Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges im eben angebrochenen 18.    Jahrhundert    den    Londoner    Königshof durcheinander.   Er,   »Journalist   und   Vertreter der   Opposition",   durchschaut   natürlich   das Ränkespiel,  das die ehrgeizige  Herzogin  von Marlborough  mit der jungen,  hübschen, aber willensschwachen Königin Anna treibt. Er sieht, wie  sie  mehr  und  mehr Werkzeug  der durch die  Marlborough   repräsentierten   Kriegspartei wird.   Ist das  Kriegsgeschäft, das der  Herzog von Marlborough in  Frankreich  betreibt, doch nicht nur recht einträglich, sondern  hält auch den kriegerischen Gemahl zugleich in gebührender Entfernung, so daß sie ihren amourösen Abenteuern   recht  ungestört  nachgehen   kann. Wie  Bolingbroke  an  der Spitze der  so ganz und gar nicht uneigennützigen  Friedenspartei nun listenreich den Knoten der Intrige schürzt, wie er die gleichzeitige Neigung der Königin und   der  Herzogin   zu   dem   hübschen  Gardeoffizier   Masham   nutzt,   die   verhaßte   Rivalin mit Hilfe eben jenes Requisits, das dem Stück den Namen gab in einem mehr tragikomischen als dramatischen Auftritt bloßzustellen — das ist   schon   eine   Meisterleistung   diplomatischer Perfidie.   Auf   dem   Plan   bleibt   Lord   Bolingbroke, dem Masham im Duellsieg über seinen reichen   Vetter   Richard   Bolingbroke   so   ganz nebenbei Mittel und Titel zu verschaffen wußte, und   der   sich   nun   —   Ministerpräsident   und Retter der fast kompromittierten majestätischen Ehre   —   auch   als   Ehestifter   beweisen   kann, indem er den tapferen, aber lebensunerfahrenen  Gardeoffizier der von  ihm  brennend geliebten,   rührenden   Abigail,   einer   entfernten Verwandten   der   Marlboroughs,   zuführt.   Das über all  den  Wohltaten   mit  der  Beendigung des unseligen Krieges auch eine fürs einfache Volk herausspringt, sei nur am Rande bemerkt.
Helmut Käutner, seit jeher mit sicherem Griff für publikumswirksame Stoffe, hat sich dieses Nichts von einem Lustspiel unbekümmert für seine Zwecke zurechtgeschneidert, behutsam aktualisiert und um einige Songs und Chansons mit eigenen Texten erweitert. Er tauchte das Ganze in Farbe, und so entstand ein schwere!os-heiterer Film, der auf seine, auf liebenswürdig-verbindliche Art nicht vergessen läßt, daß es in einer (noch immer) von Kriegsgeschrei erfüllten Welt von Vorteil ist, sich auf die Seite der „Friedenspartei" zu schlagen. Die espritvollen, genau gezielten Songs und Chansons, von denen einige — wie das Bluff- und das Party-Chanson — über den Film hinaus Bestand haben dürften, verwenden (parodierend) die Formen von Rezitativ und Arie ebenso wie den Boogie und Fox. Sie schaffen Ruhepunkte in der quirligen Handlung und persiflieren eindrucksvoll die offenbar zeitlosen Untugenden und Entartungen von damals  und   heute.
Schlechthin unvergeßlich sind aber der Film und diese, seine wesentlichsten Szenen im Soundtrack geschickt raffende, Plattenaufnahme vor allem durch die hervorragenden darstellerischen Leistungen. Ein Aufgebot glanzvoller Namen adelt die hübsche Nichtigkeit. Da ist die liebenswürdige Königin Anna der Liselotte Pulver, Hilde Krahl als imponierende Intrigantin und Sabine Sinjen als anmutige Abigail. Ein Name aber steht über ollen: Gustaf Gründgens als Bolingbroke. Nach 17 Jahren - 1960 - ging dieser faszinierende Schauspieler, auf der Höhe seines Ruhms, noch einmal ins Atelier, um die Rolle zu verkörpern, die er früher schon einmal unter Jürgen Fehling in den Staatstheatern spielte. Es ist überliefert, daß Gründgens, der in wesentlichen Aufführungen jener dunklen Zeit, etwa der „Emilia Galotti" oder der „Räuber" den geistfeindlichen Mächten un-überhörbar Paroli zu bieten suchte, selbst diesen theatralischen Ladenhüter zum Anlaß gezielter — vom Parkett nur zu gut verstandener — Attacken zu machen wußte. In der Tat, man kann sich keinen besseren Interpreten vorstellen. Vom Kabarett, von der Revue und Operette ging die steile Karriere Gründgens aus, und in diesem Genre feierte er seine ersten Triumphe. Und der unübertroffene Rollengestalter späterer Jahre hat die ihm eigene spielerische Intelligenz, den Esprit und die bezwingende Nonchalance zu einer Perfektion gesteigert, für die dieser Bolingbroke in seiner federnden Eleganz, seiner sprudelnden Suada der schönste Beweis ist. „So steht Gründgens vom Mephisto bis zum Kabarettcouplet alles offen", konnte Herbert Ihering bereits 1932 eine Entwicklung beschreiben, die sich dann auch wirklich erfüllt hat. „Wer noch den besten Revuedarsteller der Vorkriegszeit gesehen hat, Josef Giampietro, weiß, daß Gründgens sein legitimer Nachfolger ist, weil er sich mit einer Figur zu identifizieren weiß und sie dabei doch satirisch von sich wegstellt."
Gründgens jedenfalls ist der überragende Protagonist dieses Käutner-Streifens, der dank seiner Leistung zu den geglückten filmischen Theateradaptionen   gezählt  werden   darf.
Horst Wandrey

Mehr Informationen
ArtikelnummerLitera 8 60 105
ProduktnameGustaf Gründgens in - Das Glas Wasser
Preis19,90 €
LieferzeitIm Schallplattenladen Stralsund
InterpretVarious Artists
Name - TitelGustaf Gründgens in - Das Glas Wasser
LabelLitera
MedientypLP / Vinyl 12"
Vinylgewicht pro Schallplatte180 gramm
Anzahl der Platten1
Release-Datum1967
Allgemeiner PlattenzustandGebraucht
Zustand TonträgerVery Good + (Sehr gut)
Zustand CoverVery Good + (Sehr gut)
PlattenreinigungReinigung mit Plattenwaschmaschine Double Matrix Professionel Sonic (Clearaudio)
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