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Carl Michael Bellmann - Fredmans Episteln

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Manfred Krug: Carl Michael Bellmann - Fredmans Episteln

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Manfred Krug: Carl Michael Bellmann - Fredmans Episteln

Carl Michael Bellman Fredmans Episteln an diese und jene, aber hauptsächlich an Ulla Winblad
AUSWAHL
In Übersetzungen von Peter Hades, Heinz Kahlau, Helmut Lange, Hubert Witt
Das Buch Carl Michael Bellman   „Fredmans Episteln an diese und jene, aber hauptsächlich an Ulla Windblad" erschien im Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig.
1
Epistel Nr. 1     (Mit freiem Arm, schlank wie  ein  Reh)
Epistel Nr. 2    (Vater Berg macht große Töne)
Epistel Nr. 7    (Schön Ulla schlief, die Hand unterm Ohr)
Epistel Nr. 19    (Portugal,  Spanien)
Epistel Nr.    9    (Ich bin da, und ich will leben)
Epistel Nr.    6    (Mach Bier warm und  Brot)
Epistel Nr. 13    (He Movitz, was stehst du und jammerst)
2
Epistel Nr. 14     (Seht ihr, Vater)
Epistel Nr.   8     (He Musikanten, das Waldhorn   soll  wettern)
Epistel Nr. 21     (Satan,   zerwühle, zerrase)
Epistel Nr. 16     (Wenn ich Geld hab)
Epistel Nr. 25     (Raste an dieser Quelle)
Epistel Nr. 26     (Kerl  du  bist  alt, das Uhrwerk läuft ab)
Musik: Hermann Anders / Bernd Wefelmeyer
Instrumentalgruppe Leitung: Bernd Wefelmeyer
Regie: Renate Thormelen
Es spricht und singt:        Manfred Krug

CARL MICHAEL BELLMAN

Von allen großen Nationaldichtern — mag  man  an  Cervantes oder  Dante denken,  an  Shakespeare oder Goethe, Moliere oder Tolstoi — ist keiner so wirklich   populär  geworden  wie Schwedens  Dichtersänger, Schauspieler und Musiker Carl  Michael  Bellman (4.  2.  1740—12.  2.  1795), von  dem Ernst Moritz Arndt gesagt hat, daß er einer der außerordentlichsten Menschen gewesen sei, die jemals gelebt haben. Bellmans  Lieder kennt in Schweden jedes  Kind, viele werden heute — fast hundertfünfundsiebzig  Jahre  nach seinem Tod — gesungen wie Volkslieder, und alljährlich  am 26. Juli  feiert die Bevölkerung jeden Alters und aller Schichten im Stockholmer Vergnügungspark den Tag, an dem für Bellman ein   Denkmal   errichtet wurde.  Aber über die  Grenzen   seiner  Heimat  ist der  Ruhm   Bellmans   kaum   hinausgedrungen. Zwar verzeichnet die Wissenschaft auch  Bellmans  Namen respektvoll im Buch der Weltliteratur, doch außerhalb Schwedens gelten die Werke seiner Landsleute August Strindberg und Selma Lagerlöf oder anderer skandinavischer Autoren wie Holberg   und   Ibsen als  repräsentativer für die nordische Dichtung. Dieser Umstand  mag zum Teil  damit zu erklären  sein,  daß  Bellmans  Lieder und   Gedichte   stets   als   schwer übersetzbar galten und daß kein Enthusiasmus seiner ausländischen Verehrer   ausgereicht   hat,   den unwiderstehlichen aber auch  schwer zu  definierenden  Reiz der  Kunst Bellmans  in all  ihrer  Natürlichkeit und gleichzeitig mit ihren komplizierten und kapriziösen   Formen   sowie   Redeweisen, die hinsichtlich Grammatik und Wortwahl nur  der  gesprochenen   Sprache angehören,   kongenial   umzusetzen. Auch in Deutschland ist dieses mehrmals in   Angriff   genommene   Experiment zum  ersten  Mal  mit der 1965 im Leipziger Reclam Verlag  erschienenen Auswahl  von  Nachdichtungen  durch Peter  Hacks,   Heinz   Kahlau,  Hartmut Lange und Hubert Witt gelungen. Es war zunächst literarisch gelungen, denn   das   Buch. konnte  wohl   den Namen   Bellmans   bekanntmachen, nicht  aber   unmittelbar  die geheimnisvolle  Wirkung   ersetzen,   die erst von der Interpretation  seiner Lieder ausgeht.  Es muß als besonderes Glück  angesehen werden, daß dem VEB   Deutsche  Schallplatten  für diese Aufnahme   ein   Bellman-Typ   par excellence   zur  Verfügung   stand: Manfred   Krug.   Er  beherrscht  die Lieder souverän, zeigt viele Nuancen von saftiger Derbheit bis spröder Zurückhaltung, strahlt Sinnlichkeit aus, ist humorvoll  überlegen  und  sachlich beteiligt,  wechselt von   polterndem Schimpfen in Zärtlichkeit und schwelgt im  Genuß des  Genießens.  Ihm  gelingt sogar, was  nie für möglich gehalten wurde: einige Texte so zu deklamieren, daß das Fehlen der zugehörigen Musik nicht als Mangel festgestellt wird. Man  empfindet die frohe und gleichzeitig schwermütige Menschlichkeit Bellmans, seine unbefangene Freude an   aller  Erscheinung,  die   Innigkeit der Gefühle, die Naturverbundenheit, seine Dankbarkeit für alles  Empfangene und die verschwenderische Hingabe an den gegenwärtigen   Augenblick  —  eine olympische  Heiterkeit,  mit der die Unzulänglichkeiten   des   eigenen Daseins  erkannt,   aber  ohne  düstere Reflexion   oder   gar  Verzweiflung besungen  wird.
Daß  Bellmans hinreißende Gesänge — die von seinen  Landsleuten als „teuerstes  und   heiligstes" Werk  der schwedischen Poesie" gepriesen werden — so haltbar sind  und dennoch  nur nationale  Anerkennung  gefunden haben, findet eine weitere Erklärung in der  Begrenztheit der Themen,  Stoffe und  Motive, von denen  Bellman sich anregen   ließ.   „Dieser  lachende Verkünder der Seligkeit leiblicher Wonnen   und   eines  unlöschbaren Durstes"   beschrieb  das  zeitgenössische Leben  der  unteren   Gesellschaftsschichten  Stockholms  in episch-dramatisch-lyrischen  Genrebildern.   Es sind Wein, Weib und Gesang in den Schenken  der Mälarstadt,  Landschaftsschilderungen,   Bootsfahrten, Eislauf,  Kegel-  und  Kartenspiel, Serenaden  und  Prügeleien, das Stadtleben im Königspark, Ausflüge, eine  nächtliche  Feuersbrunst, Taufen, Hochzeitsfeiern,   Leichenprozessionen, alles  meist in  mutwilliger Travestie. Die  Personen — außer  Bellman  selbst als Uhrmacher und Dichter Fredman hauptsächlich    die    zauberhaft liederliche Ulla Winblad, Straßen-und  Schankmädchen,  Gardekorporal Mollberg   und   Artilleriekonstabler, Maler  und   Musikvirtuos  Movitz — haben   ihre   Urbilder  in   damaligen Stockholmer   Stadttypen.   Auch   die Auswahl  auf dieser Schallplatte   (auf der die  Melodien   Bellmans  von Hermann   Anders   und   Bernd Wefelmeyer instrumentiert wurden) macht überzeugend  klar, daß es sich wohl um wunderbare Poesie, aber um kleine   Gegenstände  handelt,   die Neigung  und  Geschmack für  Intimes voraussetzen. Die in dunstigem Kneipenbrodem  von  Bellman  kunstvoll komponierten, zur Zither gesungenen und   von   Oboe,   Violine,   Laute, Flaschengeklirr  und  Weinkannen-scheppern  begleiteten  Lieder,  in denen sich Grelles, Herbes,  Beizendes, Wildes
mit  sensibler  Einfühlsamkeit  mischt, sind  in dem Sinne volkstümlich, daß sie  unverwechselbar  und   kaum transportierbar sind  und zum  Nacherleben  auch  der näheren  Kenntnis von Ort, Zeit und Menschen  bedürfen.
Carl   Michael  Bellman,  der sich  als Dichter Fredman — Mann des Friedens nannte —,  lebte  und wirkte  in  der zweiten  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts. Als die schwedische Bourgeoisie nach Karls  XII.  Tod   ihren   Freiheitssinn entdeckt hatte  und  im  Zeitalter des aufgeklärten   Despotismus   unter Gustav  III. —  Bellmans  großem Gönner — gewisse politische Rechte erringen und zu einigem Wohlstand kommen   konnte, fiel  ein Abglanz auch auf Stockholms   Kleinbürgertum.  Seine Versuche,   es  den   Großen   im   Sich-Ausleben gleich zu tun, beschrieb Bellman,  der  selbst  aus  privilegierten Kreisen  stammte,  eine  gründliche Erziehung   und  vielseitige  Ausbildung erhielt,   Umgang   mit   höheren Regierungsbeamten,  Wissenschaftlern und  Künstlern hatte, allseitige Verehrung genoß, Ansehen  beim  Hof besaß, Unterstützung   und   Freundschaft   beim König  fand — und der am  Ende seines   Lebens  selbst  das   Leben  der untersten   Schichten   führte,   mittellos wurde,  im  Schuldgefängnis  landete, vereinsamte,   an Schwindsucht  erkrankte und im Alter von 55 Jahren völlig verlassen starb. Die Zeit hat viele Legenden gewoben. Aber was macht es, genau zu  wissen, ob er ein  nach Branntwein stinkender Kneipenkunde war,  ein Wüstling, lüstern nach Orgien — oder  in   Wirklichkeit  doch   eher   scheu, wortkarg   und   beinahe  ein  Antialkoholiker?   Er   war   ein   urwüchsiges, phänomenales Talent,  und  die  den „Brüdern   und  Schwestern   in   Bacchi" gewidmeten   Lieder  sind   unvergänglich.

Hans Bunge

Mehr Informationen
Artikelnummer Litera 8 60 137 (8 65 137)
Preis 24,90 €
Interpret Manfred Krug
Plattenname Carl Michael Bellmann - Fredmans Episteln
EAN Nummer Nicht verfügbar
Plattenlabel Litera
Plattentyp LP / Vinyl 12"
Vinylgewicht pro Schallplatte 180 gramm
Anzahl der Platten 1
Beilagen Nicht verfügbar
Release Jahr 1970
Allgemeiner Plattenzustand Gebraucht
Zustand Tonträger Nicht verfügbar
Zustand Cover Nicht verfügbar
Plattenreinigung Nicht verfügbar
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