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Ottmar Gerster - Festouvertüre 1948

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Ottmar Gerster - Festouvertüre 1948
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Ottmar Gerster - Festouvertüre 1948Ottmar Gerster - (1897-1969)


31,95 €

Ottmar Gerster - (1897-1969)

Seite 1
Festouvertüre 1948

Oberhessische Bauerntänze
1. Ziemlich langsam
2.  Etwas plumpes Walzertempo
3. Etwas gemessen
4. Der Wetzlarer Ochsenfestmarsch

Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig
Dirigent: Horst Stein
Aufgenommen im März 1959

Sinfonie Nr. 2 (Thüringische Sinfonie)
1. Allegro vivace

Seite 2
2 Largo
3. Lebhaft
4. Largo — Allegro vivace

Gewandhausorchester Leipzig
Dirigent: Franz Konwitschny
Verlag: VEB Edition Peters Leipzig Aufgenommen im April 1955

Gestaltung: Christoph Ehbets
Titelseite: Rudolf Bergander, Heim vom Fest Staatliche Galerie Moritzburg, Halle
STEREO-Transkription

Die Festouvertüre 1948 gehört zu den meistgespielten Werken von Ottmar Gerster. Der Titel weist auf das Programm, auf das politische Bekenntnis hin: Mit der Jahreszahl verbindet sich die Erinnerung ah das Revolutionsjahr 1848. Im Bewußtsein der reichen revolutionären Tradition des Proletariats hat der Komponist Motive bekannter Arbeiterkampflieder sinfonisch verarbeitet und zueinander in Beziehung gesetzt. Gersters Verbindung mit der Arbeiterklasse bahnte sich nicht erst an, als der ehemalige Dozent der Essener Folkwang-Schule 1946 nach Weimar übersiedelte und als Professor an der dortigen Musikhochschule ein Lehramt übernahm. Bereits in den zwanziger Jahren hatte Ottmar Gerster enge Kontakte zur Arbeiterbewegung. Er komponierte für ihre Chöre (u. a. „Wir!" und das bekannte „Lied vom Arbeitsmann"), und nach dem Kriege leitete er in Essen und Werden selbst Arbeiterchöre. Der Komponist bekannte: „Die Verbindung mit den Arbeiterchören und das Bestreben, neben der Pflege des klassischen Erbes auch ihre Welt musikalisch zu erfassen, führte zu neuartigen Möglichkeiten und Erkenntnissen." Die „Festouvertüre 1948" ist klingender Ausdruck dieser Auffassung.
Schon beim ersten Teil des Werkes wird für den Hörer offenkundig, wem die Huldigung gilt. Der feierlich-getragene Beginn, in dem die „Internationale" und der alte russische Trauermarsch „Unsterbliche Opfer" anklingen, assoziiert Gedanken an die Macht, aber auch an die Opfer der Arbeiterklasse. Eine auffahrende Streichergebärde unterbricht den tragischen Grundton des Beginns und führt zum Allegro (Alla-breve-Takt), in dem das Hauptthema — gebildet aus dem Anfangsmotiv von „Völker, hört die Signale" — sinfonisch durchgeführt wird. Das Prinzip sinfonischer Gestaltungsweise wird auch beibehalten beim Zitat der Arbeitermarseillaise durch die Hörner über tremolierenden Streichern und bei der zu triumphierender Haltung gesteigerten Adaption des Liedes „Wann wir schreiten Seit' an Seit'". In kunstvoll verdichteter kontrapunktischer Stimmführung verbindet sich das Leitmotiv mit dem Hauptthema des Allegro. Noch einmal wird das Lied „Unsterbliche Opfer" zitiert, bevor der Schlußteil der Ouvertüre einsetzt. In der kraftvollen Exposition dieses Teils treten sich noch einmal Grundmotive des Werkes gegenüber und vereinigen sich zum sieghaften Finale. Eine heitere unterhaltende Musik komponierte Ottmar Gerster mit seinen „Vier Oberhessischen Bauerntänzen". In diesem 1938 entstandenen Zyklus teilt sich dem Hörer unmittelbar die Freude des Komponisten am Zitat aus der Volksmusik und am musikalischen Fabulieren mit. Dabei hat Gerster nur den zweiten Tanz und den abschließenden „Wetzlarer Ochsenfestmarsch" — ein Kabinettstück geistreicher und humorvoller Verarbeitung folkloristischen Materials — nach Volksmelodien aus seiner hessischen Heimat für die konzertante Gewandung bearbeitet. Den ersten und dritten Tanz hat er selbst erfunden, wobei er sich von der Intonation der ihm vertrauten Volksweisen anregen ließ.
Der erste Tanz — „ziemlich langsam" — eröffnet gemessenen Schrittes das dörfliche Fest. In „etwas plumpem Walzertempo" folgt ein gemächlicher Ländler. Vor dem übermütigen Kehraus mit dem „Ochsenfestmarsch" wird beim dritten Tanz die Aufmerksamkeit des Hörers von einer kunstvollen „Durchführung" beansprucht: Die Melodie des ersten Teils, vom Orchester unisono vorgetragen, wird nach und nach mit Gegenstimmen verbunden und mehrfach abgewandelt. In dem ruhigen Mittelteil setzt die gemächliche Dudelsackbegleitung in diesem farbenfrohen Bild von den oberhessischen Bauern auf dem Tanzboden einen zusätzlichen musikantischen Akzent. In der Nutzung folkloristischer Elemente zeigt sich bei Ottmar Gerster nicht eine gelegentliche Haltung, sondern ein schöpferisches Prinzip. Über seine Zielstellung, die er im Grunde während aller Schaffensabschnitte als verbindlich betrachtete, sagte er, daß er „neben den handwerklichen Fertigkeiten ... eine klare, vom Volkslied beeinflußte Tonsprache mit Einbeziehung harmonischer Freiheiten und formaler Raffung" angestrebt habe. Dieses Credo setzte der Komponist konsequent auch in seiner 2. Sinfonie, der „Thüringischen Sinfonie", um, die er seinem Freunde Hermann Abendroth gewidmet hat. Über die Gedanken, die ihn zu dieser Komposition inspirierten, sagte Ottmar Gerster: „Als ich 1946 nach Thüringen kam, um an der Weimarer Musikhochschule zu wirken, erlebte ich das Land Thüringen weniger als ein schönes Idyll, wie es meistens geschildert wird, sondern als ein Land pulsenden Lebens, lebendigster Gegenwart und größter, speziell für Deutschland typischer Vergangenheit. Bei dem Idyll standen die Gestalten von Thomas Müntzer, Luther, Bach, Goethe, Schiller, Herder in ihrem Kämpfen, Ringen und Schaffen um den Fortschritt der Menschen in Thüringen heute. Daneben steht die Lieblichkeit der sagenumwobenen Landschaft mit ihren Bauten Wartburg, Naumburger Dom und Goethehaus bis zur Maxhütte — zu groß für ein einziges Werk die schier erdrückenden Anregungen, genug, um nicht ein Idyll zu schildern, sondern das Leben, welches damals wie jetzt in dieser alten und doch lebendigen Landschaft pulsiert." Die Vorstellung von pulsierendem Leben bestimmt schon die Aussage des ersten Satzes (Allegro vivace). Ein breit ausschwingendes Hauptthema, das gleichsam in die thüringische Landschaft einführt, wird zunächst — zum Tremolo der Violinen — von den Violoncelli und Fagotten angestimmt und dann sogleich von den Flöten und Oboen aufgenommen. Dabei erinnert der vorletzte Takt an ein markantes Motiv aus Gersters Oper „Madame Liselotte". Aus Oboenmotiven erwächst schließlich über pochenden Tonrepetitionen der Violinen ein zweites Thema, das sich zu blühender Kantilene aufschwingt. In der Durchführung nach klassischem Vorbild kontrastieren monumentale Gesten und lyrische Episoden — ohne krasse Diskrepanzen zu schaffen.
Landschaftliche Impressionen vermittelt auch der zweite Satz (Largo). Dabei assoziiert der einleitende verhaltene Streichersatz mit seinen Volksliedelementen die Besinnung auf die Natur, während im zweiten Teil stilisierte Fanfarenklänge auf die bewegte Geschichte Thüringens weisen. In höchst ökonomischem Gebrauch der Mittel und mit meisterhafter Kontrapunktik werden die Elemente beider Teile kunstvoll verflochten. Der dritte Satz mit seiner fröhlichen Grundhaltung und dem tänzerischen Trio ist ein Scherzo im klassischen Sinne. Es bereitet den knapp gefaßten, spritzigen Schlußsatz vor (Allegro vivace), der, durch festliche Largo-Akkorde eingeleitet, mit der Verwendung von thematischem Material aus dem ersten Satz zur inneren Geschlossenheit des Werkes beiträgt.
Hans-Joachim Kynaß (1976)

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ArtikelnummerNova 8 85 071
Preis31,95 €
InterpretVarious Artists
PlattennameOttmar Gerster - Festouvertüre 1948
EAN NummerNicht verfügbar
PlattenlabelAndere
PlattentypLP / Vinyl 12"
Vinylgewicht pro Schallplatte180 gramm
Anzahl der Platten1
BeilagenNicht verfügbar
Release Jahr1976
Allgemeiner PlattenzustandGebraucht
Zustand TonträgerNicht verfügbar
Zustand CoverNicht verfügbar
PlattenreinigungNicht verfügbar
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